Typisch deutsch: die einzig wahre Analyse zur FIFA Fußball-WM der Männer 2026
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Zum ersten Mal hat Deutschland es geschafft, im Sechzehntelfinale auszuscheiden. Herzlichen Glückwunsch. Nun, da sich der Staub der Ernüchterung langsam legt, frage ich mich: Was bleibt von dieser organisatorisch ekelhaften Männer-WM auf dem amerikanischen Kontinent? Die Erkenntnis, dass wirklich absolut niemand ein aufgeblähtes Turnier mit 48 Mannschaften braucht? Oder dass sich die Fans eine andere, friedlichere Welt wünschen als ihre Regierungen? Bei mir bleibt in erster Linie ein Thema hängen: Ob Spieler oder Trainer, Journalisten oder „Experten“, Männer hören einfach nicht auf, problematisch zu sein.
Ich möchte beim Trainer beginnen, das ist die einfachste Personalie. Julian Nagelsmann ist das Paradebeispiel einer männlichen Führungskraft, die sich gnadenlos überschätzt. Der Typ Abteilungsleiter, der alles besser weiß. Forsch, beratungsresistent und sehr schnell beleidigt. Eigentlich wollte der Noch-Bundestrainer ungefähr so handeln wie Thomas Tuchel in bzw. mit England: Nicht die besten Spieler mitnehmen, sondern die beste Mannschaft. Allerdings hat dieses Vorhaben nicht wirklich hingehauen. Julian Nagelsmann hat weder die besten Spieler noch die beste Mannschaft mitgenommen. Darüber hinaus ist Thomas Tuchel nach Bekanntgabe der WM-Nominierungen ganz anders mit Kritik umgegangen, nämlich durch eine nachvollziehbare Aufschlüsselung seiner Überlegungen. Währenddessen hat Nagelsmann seine eigenen Spieler in die Pfanne gehauen, sie verunsichert und verärgert.
Bei Thomas Tuchel merkt man als Außenstehender, wer der Boss ist. Julian Nagelsmann möchte auch so sein, bringt aber die Ausstrahlung eines Leitz-Ordners mit. Als die Mannschaft da wie gelähmt auf dem Spielfeld herumgeirrt ist, habe ich mich gefragt, wieso kaum jemand Verantwortung übernimmt. Denen hat offensichtlich niemand genug Selbstvertrauen und einen klaren Kurs mitgeben können. Wo ich schon mal bei den Spielern bin, möchte ich zwei Personen negativ herausstellen. Die erste ist erwartungsgemäß Manuel Neuer. Ein alternder Mann, der nicht damit klarkommt, dass seine Zeit vorbei ist, und sich mit seinem Ego jüngeren, besseren Kollegen in den Weg stellt. Mal ganz was Neues. Es wird langsam Zeit, dass dieses männliche Verhalten von der Gesellschaft geächtet wird. Dann haben wir noch Antonio Rüdiger, den sehr langsamen Abwehrspieler mit dem Aggressionsproblem. Wieso war er bei der WM und nicht im Urlaub? Wenn jemand dringend einen ausgiebigen Sommerurlaub benötigt hätte, dann ja wohl er. An den anderen Spielern, so unfähig sie sich teilweise angestellt haben, habe ich nichts auszusetzen. Schließlich geht es hier nicht darum, ob jemand gut gespielt hat oder nicht. Es geht um toxische Männlichkeit, die anderen schadet.
Bastian Schweinsteiger: Männer sind Schweini
Über die äußerst schmalgeistige Kommentarleistung des deutschen Finalhelden von 2014 haben sich mittlerweile genug Menschen geäußert. Wer es nicht mitbekommen hat: Bastian Schweinsteiger hat als Experte im Ersten über den Fußball der Elfenbeinküste die Wörter „unorthodox“ und „wild“ benutzt, dazu deren Taktikfähigkeiten in Frage gestellt. Gestandene Expert*innen haben sich den gesamten Kommentar angehört, sich inhaltlich mit den Aussagen beschäftigt (sowohl sportlich als auch sozial und linguistisch) und die Aussagen für rassistisch befunden. Statt sich jedoch mit dem eigenen Versagen zu beschäftigen und an sich zu arbeiten, sucht Bastian Schweinsteiger nach Ausflüchten und Rechtfertigungen. Und weiße Männer springen ihm bei wie kleine Hündchen, die sich gegenseitig an ihren gut gefüllten Eiern schnüffeln. Mag sein, dass ich mich wiederhole, aber: Deutsche haben ein größeres Problem damit, als rassistisch bezeichnet zu werden, als rassistisch zu sein. Als älterer Mann kann ich Bastian nur raten, schnellstens die Kurve zu nehmen. Sonst endet er garantiert als verbitterter Fensteropa. Also als Dieter Nuhr.
Dann möchte ich noch über Adidas sprechen, den Weltkonzern aus Herzogenaurach mit den ganz hohen Ambitionen und 80-prozentiger Männerquote im Vorstand. Drei Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft habe ich in deren Onlineshop ein Japan-Trikot bestellt, lieferbar innerhalb von acht bis zehn Tagen. Am 30. Juni habe ich dann mal beim Support nachgefragt und erfahren, dass Adidas versehentlich jede Menge Bestellungen entgegengenommen hat, als die Lager schon leer waren. Jetzt versuchen Mitarbeitende, die bestellten Waren weltweit aus irgendwelchen Lagern zu beschaffen. Allerdings könnte es sein, dass das nicht klappt. Nun ist Japan ausgeschieden und ich habe mein Trikot immer noch nicht. Und das ist nicht das erste Mal, dass Adidas mit der hohen Nachfrage nach Trikots während eines Fußballturniers überrascht und überfordert ist. Schon in der Vergangenheit gab es Lieferengpässe und sehr früh ausverkaufte Trikots. Wie bei der aktuellen DFB-Elf klaffen auch bei Adidas Weltklasse-Anspruch und Mittelmaß-Wirklichkeit weit auseinander. Und Nike? Praktisch alle Trikots der aktuellen WM-Mannschaften sind noch in fast allen Größen lieferbar. Viele Deutsche regen sich über den Ausrüsterwechsel des DFB auf. Ich nicht.
Früher war ich Superfan, heute streame ich Zusammenfassungen auf YouTube
So wie der FC Bayern München nicht checkt, dass nur gesunde Konkurrenz eine Liga attraktiv macht, so wenig checkt die FIFA, dass eine Weltmeisterschaft etwas Exklusives sein muss, um besonders zu sein. Wenn du es zu einem Turnier mit 24 Mannschaften schaffst, ist das ein Erfolg. Dort die Gruppenphase zu überstehen und zu den besten acht zu gehören, ist ein großer Erfolg. 48 Mannschaften zu einem Turnier zu laden und dann sage und schreibe 32 Mannschaften in die KO-Phase zu lassen, ist lächerlich. Dass irgendwelche Gurkentruppen mit drei Unentschieden zu den 32 „besten“ Mannschaften gehören, ist kein Grund zum Feiern. Für mich bedeutet das: Ich schaue kaum noch Live-Fußball. Bis etwa 2016 habe ich fast jedes Freundschafts- und Pflichtspiel geguckt. Diesmal habe ich kein einziges Quali-Spiel angesehen. Ein paar WM-Spiele habe ich im Hintergrund laufen lassen, während ich auf dem Steam Deck gezockt habe. Ich fiebere überhaupt nicht mehr mit. Deutschland weiter? Schön. Deutschland ausgeschieden? Schade, aber verdient, weil scheiße gespielt. Egal.
Weitaus mehr Emotionen verspüre ich bei der DFB-Auswahl der Frauen. Im kommenden Jahr steht die FIFA Fußball-WM in Brasilien an. 32 Teams, auch da viel zu viele, werden in acht Stadien um den Titel spielen. Das DFB-Team hat sich souverän qualifiziert und läuft erstmals bei einem großen Turnier nicht in Adidas-, sondern in Nike-Trikots auf. Mir haben die bisherigen Adidas-Trikots für die Frauen überhaupt nicht gefallen, daher besitze ich noch keins. Entsprechend gespannt bin ich auf die Entwürfe von Nike. Sollte mir eines der Trikots gefallen, werde ich es mir holen. Dabei kommt mir gerade folgender Gedanke: Vielleicht stärkt die FIFA den Fußball der Frauen, indem sie den Fußball der Männer zu einem maximal beschissenen Erlebnis degradiert. Bei mir funktioniert’s jedenfalls.
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